Der Camptalk mit Schauspielerin und Influencerin Elena Uhlig

Wenn Elena Uhlig mit Promis talkt, ist das unterhaltsam, lustig, einfach richtig gut. Seit Corona ist die Schauspielerin erfolgreiche Influencerin. Mit einem Coronatagebuch hat alles begonnen – jetzt verabredet sie sich regelmäßig am Sonntagabend um 22:15 Uhr mit Gästen auf Uhligs stillem Örtchen.
Instagram: elena_uhlig

Als Schauspielerin hat sie uns in unzähligen Rollen begeistert, als Comedian unsere Lachmuskeln trainiert. Mit Bettina Tietjen war sie campen, als Autorin vertreibt sie den Diätwahn und privat nennen sie und ihr Lebenspartner sich beim Nachnamen. Sie sagt zu ihm Herrn Karl, er zu ihr Frau Uhlig. Jetzt sammelt sie gerade jede Menge Follower auf Instagram. Postet ausgesprochen lustige Videos und plaudert auf dem stillen Örtchen mit prominenten Gästen. Ganz getreu dem Motto „Endlich mal in Ruhe reden“.

CWH: Liebe Frau Uhlig, ich habe Sie vor geraumer Zeit bei „Tietjen campt“ gesehen. Sie waren mit Bettina Tietjen auf einem Bauernhof campen. Mögen Sie privat das Campen auch?
EU: Mit Bettina war das sehr lustig, ich mag sie sehr, kenne sie auch schon lange. Privat bin ich in Sachen Camping aber nicht wirklich sattelfest und zeltfest schon gar nicht. (lacht) Vor Jahren war ich auf einer großen Campingmesse in Düsseldorf und habe mir Campingbusse angeschaut. Da gibt es ja wirklich die tollsten Sachen. Kurz habe ich gedacht, dass Camping mit so einem Ding sicher Spaß macht – aber diese fahrenden Häuser kann man sich ja nicht leisten. Einen Airstream finde ich zum Beispiel auch klasse. Hatte nicht sogar Kater Karlo, der Erzfeind von Micky Maus, einen?

CWH: Campingurlaub ist demnach also keine Option?
EU: Ich habe immer mal wieder den Anflug von Campinggedanken, es gibt ja ganz tolle Campingplätze und ich weiß auch, dass Camping für Kinder etwas Megatolles ist. Mein Mann sagt dann aber immer: „Frau Uhlig, das ist doch Schwachsinn, du bist die erste, die da wieder ausziehen will, vor allem, wenn es keine funktionierende Toilette im Bus gibt.“ Ja, ok, er hat ja Recht. (lacht)

CWH: Spricht er da von einer Erfahrung?
EU: Ja, wir waren in der Tat einmal mit einem eher kleinen Campingbus unterwegs. Abends bekam ich Angst, es könnte jemand einsteigen – also musste das Auto verschlossen werden. Dann war mir total heiß, die Fenster wurden wieder aufgerissen. Die Toilette rief auch ständig nach mir, zu der mir Herr Karl natürlich den Weg leuchten musste. Wieder zurück am Bus, hatten wir die Moskitos im Auto, weil wir das Licht angelassen hatten. Das Projekt ist also gleich am ersten Campingplatz gescheitert. Ich finde eben immer ein Haar in der Suppe. (lacht) Also meine Art von Campen wäre folgende: umherfahren mit einem Camper, stehenbleiben wo es schön ist, ein Mahl bereiten und dann in einem Hotel schlafen. Das Campen, wie es Frau Uhlig mag, muss eben noch erfunden werden.
CWH: Es gibt doch inzwischen erstklassige feste Wohnobjekte auf Campingplätzen …

CWH: Sie sind seit vielen Jahren eine erfolgreiche und beliebte Schauspielerin. Nun haben Sie eine weitere Karriere gestartet, sind als Influencerin erfolgreich, haben quasi einen eigenen kleinen Fernsehsender. Wie kam es denn dazu?
EU: Der erste Lockdown war sozusagen der Startschuss, damit ging alles los. Wir standen alle erst einmal kopf, waren fassungslos, keiner kannte eine solche Situation. Plötzlich waren wir komplett ausgebremst – die Schulen dicht, die Dreharbeiten von Herrn Karl (Fritz Karl) abgesagt. Die Welt stand still, unser bis dahin turbulentes Leben wurde jäh ausgebremst. Das war wie von hundert auf null. Vielleicht war sogar die eigene Angst ein Treiber. Also habe ich zu Herrn Karl gesagt: „Wir müssen etwas machen, wir sind Künstler, wir haben die Pflicht, die Menschen jetzt zu unterhalten, sie zum Lachen zu bringen. Der Narr muss auch in schwierigen Zeiten spielen.“

CWH: Das war dann die Geburtsstunde von Ihrem Instagram-Account oder waren Sie in diesem Medium schon früher unterwegs?
EU: Die Agentur wollte, dass ich als Künstlerin einen Instagram-Account habe. Aber ehrlich gesagt wusste ich lange gar nichts damit anzufangen. Was bitte heißt viral gehen? Was soll ich da tun? Das Mittagessen posten?

CWH: Ab da war dann alles anders?
EU: Am Anfang war Herr Karl von der Idee, auf Instagram etwas zu machen, nicht sonderlich begeistert, eher gar nicht. Also habe ich angefangen, ihn zu nerven. Er stellte immer die gleiche Frage: „Was willst du denn bitte machen?“ Irgendwann gab er dann auf und meinte: „Ok, dann setzen wir uns jetzt vor diese weiße Wand und du filmst uns mit dem Handy.“ Da saßen wir dann. Ich habe, mit dem Handy am langen Arm, 34 Sekunden geredet, abgebrochen, den Herrn Karl angeschaut und ihn aufgefordert: „Du musst auch was sagen.“ „Nee“, hat er geantwortet, „ich sag nix.“ Daran hat er sich dann auch 47 Tage lang gehalten.

CWH: Dieses virale Tagebuch ging danach online und wurde umgehend von vielen Followern geliked und geteilt.
EU: Ja, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte, wenn ich etwas poste, wo nur einer redet und der andere schweigt, kann das nicht funktionieren. Im Gegenteil, den Leuten hat es gefallen. Sie haben fleißig kommentiert, sich untereinander verknüpft. Auch meine Mutter hat die Kommentare wahnsinnig gern gelesen, hat sich gefreut, wenn die Follower geschrieben haben: „Oh, ihr habt meinen Tag gemacht!“, „Ich habe so gelacht, danke!“, „Mir geht’s gleich viel besser!“, „Ich fühle mich jetzt gar nicht mehr so alleine.“ Das war schon wirklich ganz toll.

CWH: Wie muss man sich die Videos vorstellen?
EU: Im ersten Video, also am Lockdowntag 20, wollten wir eine Cabriofahrt machen. „Ups, stimmt, geht ja nicht.“ Schnitt. Dann sah man Herrn Karl, wie er mit einem Kuchenblech gelenkt hat und ich habe Gas gegeben. Ein anderes Mal haben wir gesagt: „Samstag ist unser Kunsttag, heute haben wir Theaterkarten.“ Schnitt. „Oh, wir haben ja gar keine Karten!“ – also haben wir Theater nachgespielt.

CWH: Die Ausgangssperre dauerte an, habt ihr jeden Tag ein neues Video eingestellt?
EU: Ja, wir haben jeden Tag neu überlegen müssen, was wir machen wollen, es brauchte ja täglich eine neue gute Idee. Das war schon aufwendig, auch wenn alles immer so locker-flockig aussieht. Manchmal ging es uns leicht von der Hand. An anderen Tagen haben wir Stunden gedreht und dann alles wieder gelöscht, weil Herr Karl oder ich es blöd fanden. Einen festen Ansatz hatten wir aber immer. Wir wollten nicht sagen: „Oh Gott, Corona, wie schrecklich!“, sondern: „Es geht uns Spitze!“ Dass das so ist, fiel mir aber selber erst an Tag 30 auf. (lacht)

CWH: Und Herr Karl hat immer brav mitgemacht?
EU: Ja, wenn auch als der gequälte Mann. (lacht) Er ist eben Künstler – wenn etwas künstlerisch ist, dann macht er mit, wenn nicht, dann steigt er definitiv aus.
CWH: Als ich in der Lockdownzeit euer Instagram-Tagebuch zum ersten Mal sah, habe ich Tränen gelacht! So genial!

CWH: Wie ging es dann weiter, als der Lockdown aufgehoben wurde?
EU: Wir haben aufgehört. Unsere inzwischen sehr gewachsene Followergemeinde fand das aber gar nicht gut. Sie haben gefragt: „Und? Wie geht es jetzt weiter?“ Zu diesem Zeitpunkt ist dann erst ein wirkliches Konzept entstanden. Ich wollte immer schon Moderatorin sein, eine Talkshow machen. Eine Freundin meinte, ich könnte das doch auf meinem Intagram-Kanal machen. Daraufhin habe ich sie gefragt, ob sie spinnt. Wer, bitte, soll das anschauen und vor allem, wo soll ich das machen? Ich habe schließlich vier Kinder. Ich kann mich ja schlecht aufs stille Örtchen zurückziehen, mich auf die Toilettenschüssel setzen und mit Gästen reden. Schweigen. Dann die Stimme meiner Freundin: „Genau so machst du es!“ „Uhligs stilles Örtchen“ war geboren.

CWH: Seither gibt es den Talk regelmäßig, jeden Sonntag um 22:15 Uhr. Ein solch fixes Format ist im Internet doch eher ungewöhnlich?
EU: Wenn mich Leute darauf ansprechen, sage ich immer: „Das geht super, ich komme schließlich vom analogen Fernsehen und ein festes Ritual ist immer gut.“ Das erste halbe Jahr gab es zwei feste Termine in der Woche, aktuell ist es der Sonntagabend. Über Weihnachten und im Sommer gibt es auch Pausen.

CWH: Wie war anfangs die Reaktion der Zuschauer?
EU: Es kam gleich richtig gut an. Irgendjemand hat es auf den Punkt gebracht: Sonntagabend schaut man erst Nachrichten, danach fühlt man sich schlecht. Dann wird der Tatort geguckt, danach geht’s einem auch nicht besser bei den ganzen Leichen und schon ist das Wochenende vorbei. Jetzt gibt es nach dem Tatort noch Uhligs stilles Örtchen und der Weg zum Bett gestaltet sich heiter.

CWH: Inzwischen hatten sie schon unglaublich viele tolle Prominente zu Gast. Wie kommen Sie an Ihre Interviewpartner?
EU: Viele kenne ich über Jahre vom Drehen, neue Kollegen spreche ich an, manches läuft übers Management oder über Mundpropaganda und meine Gäste laden sich gegenseitig ein. Für einen Künstler ist das natürlich ein super Format – eine Dreiviertelstunde lang dreht sich alles nur um ihn.

CWH: Wie läuft so ein Gespräch ab, sind die Talkgäste gebrieft, gibt es ein Drehbuch?
EU: Natürlich gibt es einen Leitfaden, ich habe ja auch eine Vielzahl an fertigen Fragen. Dennoch können wir immer frei entscheiden, worüber wir reden möchten.

CWH: Anfangs war das alles ja nur ein Hobby und jetzt?
EU: Inzwischen ist richtig Arbeit daraus geworden. Am Tag kommen schon sechs Stunden zusammen und mein Terminkalender ist auch jeden Sonntag geblockt.

CWH: Sie tragen Pyjama oder Nachthemd bei Ihrem Talk – und diese wunderbaren Hütchen mit einem äußerst passenden Namen: Faszinator. Wo, bitte, haben Sie die her?
EU: Ich habe sie vor Jahren im Schaufenster einer Hutmacherei entdeckt. Da gerade Ausverkauf war, habe ich zugeschlagen. Auf die Idee, sie zu tragen, kam Herr Karl. Er meinte, wenn ich die Dinger schon habe, kann ich sie auch aufsetzen. Habe ich gemacht. Inzwischen sind viele weitere dazugekommen. Ich liebe diese Hütchen, besonders bei bad hair days sind sie sehr zu empfehlen. (lacht)

CWH: Da hat sich inzwischen sicher einiges an Requisiten angesammelt.
EU: Oh ja, alleine meine Requisiten für das stille Örtchen füllen einen eigenen Schrank und die anderen Videoformate gibt es ja auch noch. Da steht so einiges rum.

CWH: Auf diese anderen Videos wollte ich gerade kommen. Superlustig!
EU: Mein Account ist eben wie ein kleiner eigener Fernsehsender mit ganz unterschiedlichen Programmen. Da gibt es „Anele Gilhu“, „Kochen mit Éléne & Frédéric“, „Die Bewegungspause“ oder auch „Uhligs Shopping Paradies“.

CWH: Auf Instagram gibt es eine Flut von anderen Influencern, die auch tolle Sachen machen. Wie ist Ihr Plan, die Followeranzahl für das stille Örtchen stetig weiter wachsen zu lassen?
EU: Titel und Location sind gut und – ich habe einen langen Atem. Den braucht es. Man muss stoisch seinen Weg gehen, einfach dran bleiben, das macht die Sache rund. Ich glaube fest an den Erfolg.
CWH: Ich auch.

CWH: Ihre Kinder halten Sie aber aus all dem raus?
EU: Definitiv, sie sind noch zu jung und sollen irgendwann selber entscheiden, ob sie in die Öffentlichkeit wollen oder nicht.

CWH: Gibt es bei euch noch Diskussionen oder Erklärungsbedarf in Sachen Social Media mit den Kindern?
EU: Die Kinder bekommen natürlich einiges mit, auch wie viel Arbeit so etwas unterm Strich macht. Wir können als Eltern unseren Kindern aufzeigen, wo Gefahren lauern oder wie man mit diesem Medium arbeitet. Unser Großer bessert sich hin und wieder sein Taschengeld auf und schneidet die Videos. Der Kleine hat schon beim Drehen geholfen.

CWH: Funktioniert dieses Format auch neben der Schauspielerei?
EU: Ja, ich habe im Vertrag stehen, dass ich sonntags eine funktionierende Toilette mit WLAN brauche, kein Witz.

CWH: Gab es bereits Anfragen, Ihr Instagram-Format ins Fernsehen zu adaptieren?
EU: Ja, die eine oder andere Idee gab es schon, bis jetzt hat sich aber noch nichts daraus ergeben. Aber wenn das Konzept stimmt, wäre das natürlich super.

CWH: Wie organisiert man eine Großfamilie mit so viel beruflichen Aktivitäten?
EU: Wir haben eine Kinderfrau, ohne sie würde das gar nicht gehen. Sie ist eine wichtige Bezugsperson für unsere Kinder. Es braucht eine Konstante, jemanden, der die Kinder gut kennt und lange bei uns ist. Sie gehört zur Familie. Es ist ja auch eine große Vertrauenssache, meine Kinder sind mein größtes Glück.

CHW: Bücher schreiben Sie auch.
EU: Ja, obwohl ich eigentlich Legasthenikerin bin und eher Angst vor dem geschrieben Wort habe. Ich habe aber eine Diktierform gefunden, die es mir möglich machte. Erzählen kann ich ja gut. Mit meinem ersten Buch „Mein Gewicht und ich“ wollte ich mich vom Diätwahn befreien, was auch prima funktioniert hat.
CWH: Ich besorge es mir. (lacht)

CWH: Wie und wo nehmen Sie sich Auszeiten?
EU: Das werde ich oft gefragt. Ich brauche aber gar nicht so viele Auszeiten. Wie soll ich das sagen? Ich liebe ja all das, was ich tue. Was ist dann eine Auszeit? Ich schöpfe meine Kraft aus meinen Kindern und dem ganz normalen alltäglichen Wahnsinn.

CWH: Sind Sie chaotisch oder ordentlich?
EU: Total chaotisch, ich versuche immer wieder Ordnung ins Chaos zu bringen – was mir aber höchstens bis zum Abend gelingt. Ich nenne das dann immer Häufchenbildung. (lacht)

CWH: Gibt es eine Traumrolle, die Sie gerne noch spielen würden?
EU: Die Julia aus Romeo und Julia, dafür bin ich inzwischen aber wohl zu alt.

CWH: Ihr Traumland?
EU: Deutschland. Es gibt hier noch so viel zu entdecken, es fehlen mir definitiv noch ein paar Ecken.

CWH: Was machen Sie bei schlechter Laune, gibt es die überhaupt?
EU: Natürlich, dann esse ich etwas Gutes, lache und rede.

CWH: Lieblingsessen?
EU: Spaghetti Bolognese.

CWH: Liebe Elena Uhlig, ich sage herzlichen Dank für das tolle und lustige Gespräch. Wir freuen uns schon auf viele weitere Talks aus dem stillen Örtchen, auf Videos, neue Filme, neue Bücher und natürlich auf ganz viel Lachen.