Betreibergeschichte: Wie die Jungfrau zum Kinde

Foto: Camping Rursee

Früher Cutterin, heute Platzbetreiberin

Sie arbeitete in der Medienbranche, machte Filmschnitt und liebte das Stand-up-Paddling. Für dieses Hobby zog es Christina Bauer immer öfter an den Rursee. Dort hatte sie die Idee, SUP-Seminare anzubieten und suchte dafür ein kleines Häuschen mit Grundstück am See. Aus dem Haus wurde ein Campingplatz, von dem sie anfangs gar nicht wusste, ob sie ihn wollte.

Seit 2008 ist Stand-up-Paddling das Steckenpferd von Christina Bauer. Um ihrem Hobby nachgehen zu können, lockte immer öfter der Rursee in der Eifel, etwa eine Stunde von ihrem Wohnort Köln entfernt. Sie liebte den See, lernte ihn immer mehr zu schätzen und überlegte, dort ein kleines Häuschen mit Grundstück zu erwerben. Sie wollte SUP-Seminare anbieten und Interessierten das Stand-up-Paddling näher bringen. Also wurde sie rührig, schaute sich um und lernte dabei nicht nur den See, sondern auch Gemeinde und Einwohner immer besser kennen. Als Medienfrau hatte sie für die Suche nach einer Immobilie alle Kanäle genutzt und in Fernseh- und Radiobeiträgen und Zeitungsartikeln ihre Pläne vorgestellt. Das kam gut an, denn damals stand sie mit ihrem Sportgerät noch alleine auf dem See, erntete ungläubige und verdutzte Blicke für eine Sportart, die hierzulande einfach noch niemand kannte.

Christina Bauer/Camping Rursee

Sie wurde fündig, entdeckte ein kleines Haus direkt am See. Es war heruntergekommen, glich eher einer Lagerhalle, dennoch wurde es zum Objekt der Begierde. Sie fragte bei der Gemeinde nach und bekam zur Antwort: „Nein, das ist nicht zu verkaufen, aber wir hätten einen Campingplatz am See, für den Sie sich gerne bewerben können.“ Einen Campingplatz? Gut, sie kannte ihn, hatte ihn oft vom Wasser aus gesehen. Aber wollte sie das wirklich? Konnte sie sich vorstellen, auf einem Campingplatz zu arbeiten und zu leben? Puh! Schwierig! Die Gedanken überschlugen sich, in ihrem Kopf herrschte Chaos. Entschieden hat schließlich ihr Herz und ihre Neugier, die klar „ja“ zum Vorhaben sagten. Ihre Freunde hielten sie dafür für total bekloppt, einer hat sogar gesagt: „Der Platz ist ein dunkles und nasses Loch, da hilft nur brandroden.“

Sollte sie doch lieber alles noch einmal überdenken? Und wie könnte ihr Geschäftsmodell aussehen? Die Idee mit den SUP-Kursen war super, der Platz hatte einen direkten Seezugang, das würde sicher gut funktionieren. Aber war da nicht noch etwas anderes? Klar, die Campinggäste und der Platzbetrieb – von beidem hatte sie aber leider keine Ahnung. Also machte sie ein Campingseminar beim Campingverband, um wenigstens etwas Einblick in die Branche zu bekommen. Das regte ihren Pioniergeist an, denn sie erfuhr, dass die Campingbranche gerade einen echten Aufschwung erlebte und kam zu folgender Erkenntnis: „Ich bin kommunikativ, kann begeistern und gut mit Menschen umgehen. Warum sollte es also nicht möglich sein, Touristencamper für meinen Platz zu gewinnen?“ Wenn da nur nicht die vielen Dauercamper wären …

Sie gab ihr Konzept für die Ausschreibung ab. Dass dieses nur aus einer Seite bestand, störte nicht weiter, denn sie war die einzige Bewerberin, bekam den Zuschlag und war plötzlich Campingplatzbetreiberin. Anfang Februar 2014 bezog sie ihren Campingplatz mit vielen guten Ratschlägen im Gepäck. „Ganz wichtig“, so riet ihr eine Freundin, „für ein solches Projekt braucht es viele Freunde und tatkräftige Helfer.“ Die hatte sie – zum Glück! Als Erstes kaufte sie einen Rasentraktor und dann wurde gestrichen, Waschbecken und Armaturen wurden montiert, Kacheln geklebt, schiefe Dinge gerade gemacht und jede Menge Müll entsorgt. Von der Gemeinde bekam sie ein großes Einmachglas mit Schlüsseln überreicht. Das war’s, weitere Unterlagen zum Platz gab es nicht. Die nächsten Monate recherchierte sie, wurde zu Sherlock Holmes, versuchte ausfindig zu machen, wer all die Dauercamper auf ihrem Platz waren, wem all die verwaisten Wohnwagen auf ihrem Platz gehörten. Von den meisten Besitzern fehlte jede Spur und so musste sie viele Wagen abbauen und entsorgen lassen. Die verbliebenen Dauercamper hatten unterschiedliche Meinungen zu ihrem Vorhaben und ihren Umgestaltungsplänen. Die einen fanden den frischen Wind super, andere wiederum zeigten Unmut. Auch wenn ihr mancher Dauercamper leidtat, trieb sie ihren Plan, einen touristischen Naturcampingplatz zu gestalten, immer weiter voran.

Um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, fuhr sie anfangs zweigleisig, hat zwölf Tage im Monat in Köln Filmschnitt gemacht, die restliche Zeit war sie auf dem Platz, schaffte Ordnung und arbeitete an der Ausrichtung ihres Platzes, um künftig eine für sie passende Zielgruppe anzusprechen. Der Platz hatte damals wenig mit einer Erholungsoase gemein, sondern eher etwas von einer Partymeile – das wollte sie de facto so nicht fortführen. Mit dieser Chance eckte sie damals oft an, bekam miese Bewertungen im Internet, musste zeitweise sogar Security einstellen. Eine emotionale Achterbahnfahrt. Dann aber merkte sie, dass immer mehr Gäste genau wegen diesen miesen Bewertungen kamen. Gäste, die einen naturnahen, ruhigen Urlaubsort suchten und keine dumpfen Bassschläge mitten in der Nacht. Sie benannte ihren Platz in Camping-Rursee um und nahm es als gutes Zeichen, dass dafür sogar die Web-Domain noch frei war.

Ihre Vermarktungsstrategie schien aufzugehen, ihre mediale Präsenz hat dabei sicher geholfen. Natürlich kann sie ihren Gästen auf dem kleinen Platz nicht alles bieten, auch mit dem WLAN ist das so eine Sache. Wenn Gäste am Morgen mit zerzausten Haaren vor ihr stehen und sagen „Oh menno, haben wir gut geschlafen“, dann weiß sie, dass WLAN eben nicht alles ist. Dafür hat sie ja jede Menge anderer Pluspunkte zu bieten: Natur, Wald, Wasser, Ruhe und natürlich die Bretter, mit denen man über’s Wasser schweben kann. (KW)

Wir wünschen Christina Bauer weiterhin die Kraft, die sie braucht und natürlich den Erfolg, der sich nach harter Arbeit einstellt. Außerdem einen guten Start in die neue Saison und viele tolle Gäste, die genau das suchen, was sie zu bieten hat.

Mehr Infos unter: www-camping-rursee.de

Bilder: Christina Bauer